ALLENDORF (bft) - Wenn der eigene Solarstrom zum Fluch wird – mit Fotos |
| Posted by Jürgen (jbäuml) on Dec 10 2010 at 14:12 |
ALLENDORF (bft) - Wenn der eigene Solarstrom zum Fluch wird – mit Fotos
.
.
.
.
Gemischte Gefühle bei der Feuerwehr beim Brand von Häusern mit Photovoltaik-Anlagen
700.000 PV-Anlagen sind in Deutschland installiert. Hausbesitzer und Feuerwehren werden zunehmend verunsichert, wegen der zahlreichen teils widersprüchlichen Pressemeldungen zu diesem Thema. TV-Berichte von verunfallten Einsatzkräften und widersprüchliche Aussagen von Experten sorgen für zusätzliche Verwirrung. Die Arbeitsgemeinschaft Brandschutz, Feuerwehr und Training (AG B-F-T) setzt auf Aufklärung und empfiehlt Brandfallabschaltungen.

Für die Feuerwehren stellen die stromführenden Konstruktionen bei einem Dachstuhlbrand eine zusätzliche Herausforderung dar. Der Gesetzgeber hat es bislang versäumt verbindliche Bestimmungen zu erlassen, die dem Bauherrn die nötige Sicherheit geben würden. Eigentlich kaum vorstellbar, dass es im 21. Jahrhundert noch eine elektrische Installation gibt, die man noch nicht mal für Wartungsarbeiten abschalten kann. Nur Elektrofachkräften mit einer Zusatzausbildung ist es unter Einhaltung von bestimmten Sicherheitsmaßnahmen erlaubt, die Anlagen bisheriger Bauart stromlos zu schalten. Dazu muss die Fachkraft jedoch auf das Dach, wovon im Brandfall eindeutig abzuraten wäre. Für die Feuerwehren entsteht durch PV-Anlagen eine doppelte Schwierigkeit. 1. Das Löschwasser kann im Bereich der PV-Anlagen nicht unmittelbar auf das Dach aufgebracht werden. Eine unmittelbare Brandbekämpfung ist damit nicht mehr möglich. 2. Die Paneelen einer nichtabschaltbaren PV-Anlage produzieren ständig weiter Strom mit tödlicher Spannung, die als Gleichstrom wesentlich gefährlicher ist, als Wechselstrom. Dazu reicht es tatsächlich schon aus, wenn selbst in der Nacht die PV-Paneelen von den Strahlern der Einsatzstellenbeleuchtung angestrahlt werden. Alle Kabel, die von der PV-Paneele bis in den Keller führen, stehen mit bis zu 1000 V unter Gleichstrom! Ab 120 V kann ein Stromschlag mit Gleichstrom bereits tödlich verlaufen.
Grundsätzlich wird die Feuerwehr aber nichts unversucht lassen, um zunächst Menschenleben und dann Sachwerte zu retten. Doch der Eigenschutz der Einsatzkräfte hat Priorität! Der Einsatzleiter vor Ort entscheidet letztlich darüber, welche Maßnahmen ergriffen oder auch unterlassen werden. Sachwerte sind ersetzbar, Menschenleben nicht. Die erlassenen Feuerwehrdienstvorschriften geben dem Einsatzleiter eine Handlungsanleitung, wie bei Löscharbeite an stromführenden Teilen vorzugehen ist. Doch kein Einsatz ist gleich und kein Brand verläuft nach Vorschrift und Norm. Für den normalen Strom aus dem öffentlichen Netz kann die Feuerwehr den Strom im Idealfall an der Hausverteilung selber abschalten und verständigt den Energieversorger, der den Strom ggf. an anderer Stelle abschaltet. Doch für das eigene kleine Kraftwerk auf dem Dach ist der Energieversorger nicht zuständig! Im Brandfall bleibt eine Solaranlage nach konventioneller Installationsart einschließlich Zuleitungen bis in den Keller vollständig unter Strom. In diesem Fall ist der Betreiber, also meistens der Hauseigentümer gefragt. Hat er für eine vollständige Stromabschaltung an jeder einzelnen Paneele gesorgt, besteht keine Gefahr mehr und die Löscharbeiten können uneingeschränkt fortgesetzt werden.
Zu beachten ist, dass eine Abschaltvorrichtung nicht ausreichend ist, die nur die Hauptzuleitung zwischen Paneele und Einspeisung trennt, wie sie derzeit häufig angeboten wird. Dieser Schalter hindert die Paneele nicht daran, weiterhin Strom zu produzieren und die Verkabelung bis zum Schalter unter Strom zu halten. Solche Teilabschaltungen bieten besonders auf der Dachfläche keine Sicherheit vor gefährlichen Stromschlägen.

