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FULDA (cdu-mb) - PID - Präimplantationsdiagnostik

Posted by Jürgen (jbäuml) on Apr 21 2011 at 11:14
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FULDA (cdu-mb) - PID - Präimplantationsdiagnostik

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Beitrag von Michael Brand MdB (CDU/CSU)

Deutscher Bundestag 14. April 2010, TOP 3, 1. Lesung PID

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Weil wir heute eine Debatte über eine sehr zentrale Grundsatzfrage mit großem Engagement führen, muss es um Klarheit auch bei den Grundsätzen gehen. Die Argumente werden nach bestem Wissen und nach Gewissen vorgetragen.

 

Wenn ich dies heute in großer Klarheit und mit großem Engagement tue, dann tue ich dies, weil wir doch alle um uns herum sehen, was sich aus einer so genannten "begrenzten Ausnahmeregelung" entwickeln kann. Wer sich heute mit Hinweis auf die derzeit noch nicht flächendeckender Risiken in Europa optimistisch zeigt, der muss nur einen Blick in die Prospekt von Reproduktionskliniken und der Darstellung von Wunschmerkmalen der gewünschten Kinder werfen. Dort erhält man einen Blick in die Zukunft, und es ist ein sehr skeptischer Blick.

 

Es ist zweifelsfrei eine große Belastung, einen Kinderwunsch nicht gefahrlos erfüllt zu bekommen. Es ist aber eine weit größere Belastung, ein Menschenleben abzutöten, weil es Risiken in sich birgt, und zwar solche, die entweder in dessen Lebenszyklus geheilt werden können, teils gar nicht eintreten, oder dessen Leben eben auch mit diesen Merkmalen ein ebenso wertvolles ist wie das eines jeden Einzelnen von uns.

 

Wir sprechen bei der PID über jährlich 200 bis 300 Fälle für eine Bevölkerung von über 80 Millionen.

Wollen wir einen Grundpfeiler des Schutzes für menschliches Leben für Millionen von ungeborenen Kindern aufweichen, hier sozusagen als Einfallstor für die Selektion menschlichen Lebens? Mit dem Risiko, dass dies schweren Folgen für die weitere Verschlechterung des Schutzes von menschlichem Leben bedeuten kann?

Finden wir keine anderen Optionen, zum Beispiel die Erleichterung von Adoption, Hilfe für Menschen mit Behinderung, die psychologische Hilfe und weiterer Ansätze, um diesem Personenkreis zu helfen, eben ohne die Büchse der Pandora zu öffnen, mit allen großen Risiken?

 

Es wird hier immer wieder verlangt, das medizinisch Mögliche zu unternehmen. Ja, es stimmt, und das gehört zu einer modernen und menschlichen Gesellschaft: wir wollen, wir sollten das medizinisch Mögliche ermöglichen. Aber nie, ich wiederhole, nie wir dürfen das moralisch-ethische Unmögliche nur deshalb möglich machen, weil es inzwischen medizinisch möglich geworden ist.

 

Dabei geht es nicht nur um den Druck auf die Frauen, sich vor einem möglichenfalls behinderten Kind durch dessen Selektion zu schützen - übrigens oftmals unter sanften oder auch massiven Druck gesetzt aus dem eigenen Umfeld oder auch vom Partner. Das gilt auch für den Rechtfertigungsdruck nach der Geburt eines behinderten Kindes.

 

Es geht auch um die Frage, ob wir unsere Kinderwünsche über alles stellen, und dabei noch die Kinder nach gewünschten Eigenschaften auswählen. Niemand verkennt das Leid von Eltern. Unser Respekt, unsere Zuneigung geht aber auch zu den Eltern, die sich ihrer Kinder so annehmen wie diese Kinder sind, die sie im echten Sinne bedingungslos, das heißt ohne Bedingung auf Vollkommenheit,  lieben.

Wir dürfen aus behinderten Kindern nie ein solches Problem machen, dass gar die Selektion dieser Kinder in Kauf genommen wird.

 

Es bleibt unverrückbar, das mit einer weiteren Zulassung der Selektion und der damit unvermeidlich, ich wiederhole, unvermeidlich verbundenen Tötung des nicht zum Überleben ausgewählten menschlichen Lebens eine Büchse der Pandora nicht mehr geschlossen wird. Wir haben als Parlamentarier, als Christen, als Menschen die Möglichkeit, diese Büchse der Pandora wieder zu schließen. Wir sollten diese Kraft aufbringen.

 

Jeder hier hat sicher Kontakt mit behinderten Mitmenschen, mehr oder weniger. Ich selbst habe diesen Kontakt regelmäßig. Haben Sie sich vor diese Menschen schon mal hingestellt und ihnen gesagt, dass sie eventuell in einer nicht allzu fernen Zukunft zu einer kleiner werdenden Minderheit zählen werden, weil es immer mehr Menschen geben wird, deren Leben vor der Geburt beendet werden wird, weil ihre Nachteile unerwünscht sind?

 

Es gibt die Warnungen der Ethiker, der Kirchen, von Ärzten, Wissenschaftlern, Verbänden wie Lebenshilfe, VdK, von Betroffenen selbst, in der Tat viele warnende Stellungnahmen - und es gibt die normalen, menschlichen Reaktionen. Zu den zutiefst menschlichen Eigenschaften und Reflexen gehört, menschliches Leben schützen zu wollen, retten zu wollen. Dieser zutiefst menschliche Reflex würde durch die Aufweichung dieser Schutzfunktion für das menschliche Leben bedroht, und wir brauchen diesen Reflex und diesen Schutz.

 

Ob dies, wie bei mir, auch aus christlichem Fundament oder von anderen Quellen her gespeist wird, das ist nicht das Wichtigste. Das Wichtigste ist, dass wir die Achtung vor uns Menschen nicht verlieren. Das geschieht nicht mit einem lauten Knall, es geschieht meist Stück für Stück. Die Relativierung ist bereits unterwegs, und wir müssen uns ihr mit Kraft entgegen stemmen, um die Achtung vor dem menschlichen Leben und seinen Schutz aktiv zu bewahren.

 

Nicht nur wir Christen wissen: Der Mensch wird nicht, er ist es von Anfang an. Er hat uneingeschränkte Würde von Anfang bis zum Ende, ohne jede Einschränkung.

 

Die Diagnostik soll helfen, um zu heilen, nicht um zu töten. In meiner Heimat treffe ich vielfach Menschen mit Behinderung, die mit all ihrer Verschiedenheit uns alle sehr bereichern. Wir beschließen die UN-Konvention für Inklusion, um Behinderte nicht aus unserem Alltag auszuschließen.

 

Wer hier bei PID mit Kriterien eingrenzt, der grenzt auf der anderen Seite natürlich auch aus. Diese Verantwortung kann man nicht wegdrücken auf Kommissionen, das ist unsere Verantwortung hier im Parlament, dies zu entscheiden und das Leben zu schützen. Wir haben mit dem Embryonenschutzgesetz bewusst eine besonders hohe Hürde gesetzt; die dürfen wir nicht reißen.

 

Denn es muss auch hier deutlich gesagt werden: die Öffnung würde nicht beim ersten Schritt stehen bleiben, es würde - wie immer bisher - ausgeweitet. Wir müssen das Ende bedenken, bevor wir den Beginn der Einführung der PID beschließen können.

 

Ich will, dass wir mit allen Menschen zusammen leben. Ich will, dass auch behinderte Menschen in ihrem menschlichen Reichtum, ihrer Passion und ihrem unveräußerlichen Recht von uns allen als Gesellschaft angenommen werden. Ich verkenne das Leid des Personenkreises von 200 bis 300 Personen nicht. Aber ich kann und ich will lieber diese zum Verzicht bitten als die Selektion behinderter Menschen zuzulassen.

 

Der Gesetzgeber würde mit der Zulassung der PID den fatalen Weg nach unten, zu immer weniger Schutz des menschlichen Lebens weiter fortsetzen. Der Bundespräsident Johannes Rau hat 2001 zu Recht gesagt: "Wer anfängt, zwischen lebenswert und lebensunwert zu unterscheiden, ist in Wirklichkeit auf einer Bahn ohne Halt."

 

Gerade in den großen Grundfragen müssen wir es uns zu Recht sehr schwer machen. Das habe ich getan. Und eine schwere, ein schwerwiegende Entscheidung getroffen habe ich auch: die Würde des Menschen ist unantastbar, auch von großem Leid anderer unantastbar.

 

Schützen wir die Würde von uns Menschen, lassen wir hier keine Ausnahmen zu. In voller Kenntnis und Anerkenntnis des Dilemmas, schützen wir die elementaren Rechte von uns Menschen.

 

Und wir sollten uns auch hier nicht zum Richter über Leben und Tod aufschwingen. Denn wir sollten nicht und dürfen nicht Gott spielen.

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