KASSEL (ots) - Kriminalstatistik Nordhessen 2010 |
| Posted by Jürgen (jbäuml) on Mar 01 2011 at 23:11 |
KASSEL (ots) - Kriminalstatistik Nordhessen 2010
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Aufklärungsquote zum dritten Mal in Folge gesteigert; Erneut weniger Straftaten in Nordhessen; Kriminalitätsbelastung geht weiter zurück
Überwiegend positive Zahlen einer insgesamt erfreulichen Entwicklung der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) für das abgelaufene Jahr 2010 stellte Nordhessens Polizeipräsident Eckhard Sauer heute am Sitz des Polizeipräsidiums in Kassel der Presse vor. Rede und Antwort standen mit ihm Kriminaldirektor Gerald Hoffmann, Leiter des Einsatzstabes der Abteilung Einsatz, Polizeidirektor Uwe Papenfuß, Chef der Polizeidirektion Kassel und Kriminaldirektor Oliver Kusan, seit wenigen Tagen verantwortlich für die Kriminaldirektion im Polizeipräsidium Nordhessen. Kusan war zuvor Leiter der Polizeidirektion Schwalm-Eder in Homberg.
Kontinuierlich sinkende Fallzahlen
Die Gesamtzahl der polizeilich registrierten Straftaten ist im Bereich des PP Nordhessen, dem mit rund 5.800 Quadratkilometer größten Flächenpräsidium Hessens, gegenüber dem Vorjahr nochmals deutlich zurückgegangen. 50.386 Straftaten wurden 2010 insgesamt gezählt, im Vorjahr waren es noch 51.884 Delikte. Dies bedeutet einen Rückgang um 2,9 Prozentpunkte. Seit dem Jahr 2004, in dem mit 59.712 Delikte der bisherige Straftatenhöchststand im Bereich des zum 1.1.2001 neu gebildeten Polizeipräsidiums Nordhessen zu verzeichnen war, sank die Zahl der registrierten Straftaten damit um über 9.000 Delikten. "Dies ist nicht nur der demografischen Entwicklung mit einer zunehmend älter werdenden Bevölkerung geschuldet", sagt Polizeipräsident Eckhard Sauer. "Die kontinuierliche Abnahme ist zu einem großen Teil auch der Erfolg einer konsequenten Analyse des sich ständig fortentwickelnden Kriminalitätslagebildes und die darauf folgende schnelle und erfolgreiche Intervention der Polizei, begleitet von sinnvollen Präventionsmaßnahmen", ist der nordhessische Polizeichef überzeugt. Auch in Hessen ist der Zahl der registrierten Straftaten gegenüber dem Vorjahr nochmals gesunken. Sie ging um 1,3% zurück und liegt jetzt bei 401.864 erfassten Delikten.
Aufklärung stieg: Ziel ist eine Aufklärungsquote jenseits der 60 Prozent
Die Aufklärungsquote in Hessen stieg im abgelaufenen Jahr um 0,5 Prozentpunkte auf 58,3% Prozent, einem bis dahin noch nie erreichten Wert in Hessen. Auch die nordhessische Aufklärungsquote (AQ) konnte gegenüber dem Vorjahr noch einmal verbessert werden und liegt jetzt mit 29.345 geklärten Straftaten bei 58,2% (2009: 57,9%). "Unser Ziel bleibt eine Aufklärungsquote jenseits der 60 Prozent für ganz Nordhessen", sagt Polizeipräsident Eckhard Sauer. In einigen Flächendirektionen des PP Nordhessen sind diese Quoten bereits Realität. Unangefochtener Spitzenreiter ist die Polizeidirektion Schwalm-Eder. Dort wurden im vergangenen Jahr 64,5 Prozent aller bekannt gewordenen Straftaten aufgeklärt. "Das ist ein hervorragender Wert und Ansporn für die anderen Direktionsbereiche, ähnliche Zahlen zu erreichen", freut sich der nordhessische Polizeichef. Ähnlich herausragende Aufklärungsquoten verzeichneten 2010 auch die Polizeidirektionen Werra-Meißner mit 62,6 Prozent und Waldeck-Frankenberg mit 61,8 Prozent. Die Stadt Kassel mit einem für eine Großstadt respektablen Wert von 56,1 Prozent aufgeklärter Straftaten und der Landkreis Kassel mit 52,2 Prozent liegen hinter diesen Werten zurück. "Im städtisch geprägten Raum - wozu auch die unmittelbar angrenzenden Gemeinden wie Baunatal, Vellmar und Lohfelden zählen - bieten sich in der Regel nicht nur mehr Tatgelegenheiten. Vielmehr werden von den Vielfältigkeiten einer Großstadt auch reisende Täter angezogen. Hinzu kommt die größere Anonymität in der Stadt sowie die Möglichkeit, mittels Bussen und Straßenbahnen auch die Umlandgemeinden zu erreichen", erläutert Polizeidirektor Uwe Papenfuß, mit seiner PD Kassel zuständig für die Reviere und Stationen in Stadt und Landkreis Kassel.
Häufigkeitszahlen kontinuierlich verbessert
Eine überaus erfreuliche Entwicklung nehmen in Nordhessen parallel dazu auch die sogenannten Häufigkeitszahlen. Dieser Wert drückt die Anzahl der registrierten Delikte berechnet auf 100.000 Einwohner aus. Damit sollen Kommunen oder Landkreise mit ähnlichen Strukturen in etwa vergleichbar gemacht werden. Lag die Häufigkeitszahl 2004 noch bei 6.541 Straftaten pro 100.000 Einwohner in Nordhessen, so sank sie in den folgenden Jahren kontinuierlich auf jetzt 5.699 im Jahr 2010. Die Region Nordhessen blieb damit deutlich unter dem Landesschnitt, der für das Jahr 2010 bei 6.629 erfassten Delikten liegt.
Besondere Entwicklungen in den Flächendirektionen
Einzelheiten zur Kriminalitätsentwicklung in den Landkreisen werden noch im Laufe dieser Woche in gesonderten Presseterminen vorgestellt, zu denen bereits Einladungen an die örtlichen Medienvertreter herausgegeben wurden. Hier ein erster allgemeiner Überblick:
PD Waldeck-Frankenberg:
Nach einem sprunghaften Anstieg der bekannt gewordenen Straftaten im Jahr 2008 von etwa 7.000 auf über 7.500 Straftaten ist die Kriminalitätsentwicklung im Landkreis Waldeck-Frankenberg in den Jahren 2009 und 2010 wieder rückläufig. Verzeichnete die Polizeidirektion dort im Jahr 2009 noch 7.176 Straftaten, so wurden für das Jahr 2010 6.884 Straftaten registriert. Das ist ein Rückgang um 292 Taten oder ein Minus von 4,1 %. Aber nicht nur die Straftaten sind im Bereich Waldeck-Frankenberg rückläufig, sondern auch die Einwohnerzahlen. Sie ging im Landkreis gegenüber dem Vorjahr um 1.523 Einwohner (entspricht -0,93%) zurück. Die Kriminalitätsbelastung pro 100.000 Einwohner liegt mit der Häufigkeitszahl von 4.220 weit unter dem Durchschnitt des Polizeipräsidiums Nordhessen. Die Aufklärungsquote konnte ebenfalls deutlich um 3,6 % gesteigert werden und liegt jetzt wie erwähnt bei 61,8 Prozent. "Der Landkreis Waldeck-Frankenberg ist damit weiterhin einer der sichersten Landkreise in Nordhessen", sagt Sauer. Die PKS des Landkreises verdeutlicht, dass ein Großteil der Straftaten in den dortigen Mittelzentren Bad Wildungen, Korbach, Frankenberg und Bad Arolsen begangen wurden, die traditionell auch in der Kriminalitätsbelastung an der Spitze des Landkreises liegen. Hinzu kommt die "Tourismushochburg" Willingen. Alle anderen Kommunen liegen unter der durchschnittlichen Kriminalitätsbelastung im Landkreis Waldeck-Frankenberg. Die statistischen Zahlen der Kriminalitätsentwicklung in Waldeck-Frankenberg stellt PP Sauer am 4. März zusammen mit Polizeidirektor Dittmar Knittel am Sitz der Direktion in Korbach der örtlichen Presse vor.
PD Schwalm-Eder:
Im Schwalm-Eder-Kreis ging das Straftatenaufkommen um 6,5 % zurück und erreichte dort mit 7499 Fällen den niedrigsten Stand der letzten 20 Jahre. Auch die Zahl der Wohnungseinbrüche erreichte mit 93 Fällen gegenüber 152 im Vorjahr den niedrigsten Wert seit mehr als 15 Jahren. "Obwohl dies vermutlich statistisch nicht nachweisbar ist, hat sicherlich die über viele Monate aufrecht erhaltene massive Polizeipräsenz im Rahmen der Konzeptionseinsätze der "BAO-Mitte" zu einer erheblichen Verunsicherung von möglichen Täter auch anderer Kriminalitätsphänomene geführt", vermutet Polizeipräsident Eckhard Sauer. Die Aufklärungsquote von 64,5 % ist der höchste je registrierter Wert im Schwalm-Eder-Kreis und der zweithöchste Wert einer PD in Hessen. "Ganz erfreulich ist aus meiner Sicht auch der Rückgang der Tatbeteiligung Minderjähriger an den registrierten Straftaten", sagt Sauer. Mit 26,8 % wurde im Landkreis der niedrigste Wert seit 1994 erreicht. Die PKS-Zahlen des Landkreises Schwalm-Eder werden heute um 14 Uhr am Sitz der Polizeidirektion in Homberg von Polizeipräsident Eckhard Sauer und Kriminaloberrat Achim Kaiser, dem Leiter der Regionalen Kriminalinspektion, der Öffentlichkeit vorgestellt.
PD Werra-Meißner:
Erneut können sich die Bürgerinnen und Bürger des Werra-Meißner-Kreises über eine hohe Aufklärungsquote von über 60 Prozent freuen. Mit 62,6 Prozent wurde gegenüber dem Vorjahr eine geringfügige Steigerung von 0,2 Prozent erreicht. Die Kriminalitätszahlen aus dem Werra-Meißner-Kreis werden am 2. März um 11 Uhr in einem Pressetermin am Sitz der Direktion in Eschwege von Präsident Sauer und Polizeidirektor Thomas Beck bekannt gegeben.
Entwicklung in den Straftatenobergruppen in Nordhessen
In den meisten der acht sogenannten "Straftatenobergruppen" ging die Zahl der polizeilich erfassten Delikte in Nordhessen im vergangenen Jahr zurück. Die "Delikte gegen das Leben" blieb als einzige der acht Straftatenobergruppen mit nordhessenweit 51 Straftaten konstant gegenüber dem Vorjahr. Zu dieser Obergruppe zählen neben Mord (§ 211 StGB) und Totschlag (§ 212 StGB) einschließlich deren Versuche auch die fahrlässige Tötung (ohne Verkehrsunfälle) und der Abbruch der Schwangerschaft. Zum Teil deutlich zurück gingen die Rohheitsdelikte (-3,7%), zu denen auch der Raub gehört (-16,9%), die Vermögens- und Fälschungsdelikte (-1,6%), die "sonstigen Delikte nach dem Strafgesetzbuch" (-6,0%), zu denen auch die Sachbeschädigungen zählen (-11,9%), sowie die Straftaten im Bereich der strafrechtlichen Nebengesetze (-19,7%), zu denen beispielsweise die Rauschgiftdelikte gehören (-16,3%). Leicht zugenommen haben die Delikte gegen die sexuelle Selbstbestimmung mit 60 Straftaten mehr als im Vorjahr (+10,1%), der einfache Diebstahl (+0,3%) und der schwere Diebstahl (+3%). Ursächlich sind aber nicht die Wohnungseinbrüche, die in Nordhessen im vergangenen Jahr um 8,4 Prozentpunkte von 915 auf 829 zurückgingen, sondern die Delikte rund um das Kraftfahrzeug, Fahrraddiebstähle und Kellereinbrüche. Während die Pkw-Aufbrüche um 53 Fälle gegenüber dem Vorjahr zunahmen (+3,0%), waren es bei den Diebstählen kompletter Fahrzeuge insgesamt 30 Fälle mehr als noch ein Jahr zuvor. Aufgrund der insgesamt deutlich geringeren Gesamtzahlen bedeutet die Zunahme von 184 auf 214 Taten allerdings ein Anstieg um 16,3%. Die Fahrraddiebstähle unter erschwerten Umständen stiegen nordhessenweit um 153 Fälle oder 22,3 Prozent, die Kellereinbrüche um 316 Taten oder 72,1 Prozent.
Straftaten gegen das Leben: Ermittlungen in zwölf Mordfällen
Die Zahl der in Nordhessen erfassten Mordfälle nach § 211 StGB stieg von elf auf zwölf an. Waren im Jahr 2009 noch neun der elf als Mord erfassten Fälle Versuche, die das Opfer überlebte, sank die Zahl der Versuche im Jahr 2010 auf vier. Bei den acht vollendeten Tötungsdelikten starben in Nordhessen insgesamt neun Menschen, darunter drei Kinder unter fünf Jahren. Drei der acht Tatverdächtigen begingen außerdem nach der Tat Suizid. Fünf dringend tatverdächtige Personen wurden zeitnah ermittelt, festgenommen und sitzen in Untersuchungshaft. Die meisten dieser Fälle erregten auch in den Medien zum Teil überregionales Aufsehen.
Kassel: Familiendrama im Weichselweg
Ein schreckliches Familiendrama ereignete sich Mitte Februar im Weichselweg in Kassel. Nachdem sich die Mutter zweier zum Tatzeitpunkt gerade mal drei und fünf Jahre alten Söhne eine Woche zuvor von ihrem 42 Jahre alten Ehemann trennte und aus dem gemeinsamen Einfamilienhaus auszog, erschlug der Vater am Abend des 21. Februar seine beiden arglos im Bett schlafenden Kinder mit einer Eisenstange und warf sich kurze Zeit später im Bereich des ICE-Bahnhofs in Bad Wilhelmshöhe vor einen durchfahrenden Güterzug. Hierbei wurde er getötet. Als mögliches Motiv der Tat konnte eine von ihm befürchtete Trennung von seinen Kindern, die er als Selbständiger die überwiegende Zeit des Tages betreute, vermutet werden.
Kassel: Verwirrte Frau ersticht 84-Jährige
Eine zum Tatzeitpunkt 38 Jahre alte Frau klingelte am 20. April 2010 gegen 15 Uhr im Kasseler Stadtteil Wolfsanger an der Haustür des Einfamilienhauses einer damals 84-jährigen Frau. Das spätere Opfer war der Täterin zuvor völlig unbekannt. Nachdem die Täterin Zutritt zum Haus erlangt hatte, drängte sie nach den Ermittlungen des zuständigen K 11 das Opfer in die Küche des Hauses im ersten Obergeschoss. Dort verlangte sie von der Seniorin, gemeinsam mit ihr zu beten, da sie, wie sie selbst aussagte, den telepathischen Befehl erhalten habe, sie zu töten. Im weiteren Verlauf fügte die Beschuldigte ihrem Opfer zahlreiche Stich-/ und Schnittverletzungen mit zwei Küchenmessern zu. Das Opfer verblutete. Die mutmaßliche Täterin konnte noch am Tatort vorläufig festgenommen werden. Die 38-Jährige wurde wegen Totschlags beim Landgericht Kassel angeklagt. Aufgrund der vom Gericht festgestellten Schuldunfähigkeit wurde die dauerhafte Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus angeordnet.
Bad Arolsen: 39-Jährige wird vor ihrem Wohnhaus erschossen:
Der spektakulärste und medienwirksamste Mordfall aus dem Bereich der Polizeidirektion Waldeck-Frankenberg war sicherlich der Mord an einer damals 39jährigen Frau aus Bad Arolsen, die in der Nacht zum 27. Juni 2010 vor ihrem Haus in Bad Arolsen-Mengeringhausen von einem zunächst unbekannten Täter erschossen wurde. Nach umfangreichen Ermittlungen konnte der geschiedene Ehemann der Getöteten bereits zwei Tage nach der Tat ermittelt und festgenommen werden. Das Tatmotiv war Eifersucht. Er sitzt zurzeit in Untersuchungshaft.
Trendelburg: Joggerin wird Opfer eines Sexualmordes
Am Donnerstagabend, dem 8. Juli 2010, wurde im Bereich eines Gebüschs unterhalb des Diemel-Radweges zwischen Trendelburg-Deisel und Trendelburg unterhalb des Kesselberges der Leichnam einer unbekleideten Frau aufgefunden. Die Auffindesituation ließ auf ein Sexualdelikt schließen. Noch am selben Abend wurde das Opfer von Familienangehörigen der mittlerweile als vermisst gemeldeten Jasmin C. (32) als diese identifiziert. Zur Klärung der Straftat richtete das PP Nordhessen die "Mordkommission Kesselberg" ein, benannt nach dem Fundort des Leichnams. Mit Hilfe gezielter Pressearbeit gingen bei der Mordkommission (MK) zeitnah zahlreiche Hinweise ein. Im Rahmen der Überprüfung eines dieser Hinweise wurde am Samstagmittag, knapp zwei Tage nach der Tat, ein 35 Jahre alter Mann aus Hofgeismar an seiner Wohnanschrift von Mitarbeitern der MK aufgesucht und eingehend befragt. Hierbei verwickelte sich der bis dahin polizeilich noch nicht in Erscheinung getretene Forstarbeiter in belastende Widersprüche und wurde aufgrund des nunmehr dringenden Tatverdachts vorläufig festgenommen. Am Sonntagvormittag teilte das Hessische Landeskriminalamt (HLKA) in Wiesbaden mit, dass mehrere am Mordopfer gesicherte DNA- Spuren zweifelsfrei vom Tatverdächtigen stammten und er somit zweifelsfrei als Spurenverursacher überführt war. Konfrontiert mit diesem Ergebnis gab er schließlich zu, die Tat begangen zu haben. Der Beschuldigte befindet sich seit dem Tag seiner Festnahme in Untersuchungshaft.
Melsungen: 19-Jährige lag wochenlang tot in der Badewanne
Am 23. August 2010 wurde der Leichnam einer 19-jährigen Frau in der Badewanne ihrer Wohnung in Melsungen (Schwalm-Eder-Kreis) entdeckt. Anlass der Suche nach der 19-Jährigen war eine Vermisstenanzeige ihrer Mutter. Wie Gerichtsmediziner feststellten, war die junge Frau zum Zeitpunkt ihres Auffindens schon etwa drei Monate tot. Eine genaue Todesursache war zunächst nicht feststellbar. Die Auffindesituation der Leiche und weitere Ermittlungen legten aber den Verdacht nahe, dass die 19-Jährige einem Tötungsdelikt zum Opfer gefallen war. Als Tatverdächtiger wurde der erst 18-jährige Freund der jungen Frau ermittelt. Er gestand nach anfänglichem Leugnen in seiner Vernehmung schließlich, die Frau durch einen Stromschlag in der Wanne getötet zu haben. Er befindet sich in Untersuchungshaft. Tatmotiv waren offenbar Trennungsabsichten des Opfers. Während der langen Liegezeit der Leiche hielt sich der 18-Jährige sogar zeitweilig in der Wohnung auf. Er verschleierte den Tod der jungen Frau außerdem durch Weiterbetreiben der sozialen Netzwerke des Opfers im Internet und bediente sich per Online-Banking an ihrem Konto.
Trendelburg: Familiendrama mit zwei Toten an der Diemel
Die Ortschaft Trendelburg im nördlichen Landkreis Kassel war in der Nacht zum Donnerstag, den 2. September 2010, erneut Schauplatz eines schrecklichen Verbrechens. Ein von seiner Ehefrau und seinen Kindern getrennt lebender 52 Jahre alter Mann aus Hofgeismar fuhr nach Erkenntnissen der späteren Ermittlungen gemeinsam mit seiner knapp fünf Jahre alten Tochter und seinem erst eineinhalbjährigen Sohn mit seinem Pkw zum Diemel-Radweg. Dort versuchte er zunächst, beide Kinder in der Diemel zu ertränken. Anschließend legte er die Kinder, die er bereits tot wähnte, in den Kofferraum seines Kombis, setzte sich auf den Fahrersitz des Autos und brachte eine Handgranate zur Explosion, die er sich zuvor vor die Brust gebunden hatte. Dabei verstarb der Täter. Während der eineinhalbjährige Sohn den Mordversuch in der Diemel als auch die Explosion im Pkw überlebte, wurde bei der Tochter Tod durch Ertrinken festgestellt. Die Auswertung der Abschiedsbriefe ergab, dass der 52-Jährige die Tötung seiner Kinder und seinen eigenen Suizid bereits seit einigen Wochen geplant hatte. Ermittlungen zur Herkunft der Handgranate blieben erfolglos. Kassel: Mord, Mordversuch und Suizid bei Festnahme
Wenige Tage später, am 15. September 2010, hielt ein 62-jähriger Mann die nordhessische Polizei in Atem. Wie sich im Zuge der Ermittlungen herausstellt, erschoss der Beschuldigte zunächst zwischen Mitternacht und 1.45 Uhr in seiner Wohnung in Kassel-Oberzwehren seine 43 Jahre alte Freundin. Nach der Tat wickelte er den Leichnam der Frau in einen Teppich, verstaute ihn auf dem Beifahrersitz seines Pkw und fuhr noch in der Nacht zu dem getrennt lebenden Noch-Ehemann des Opfers nach Söhrewald-Wellerode. Dort schoss er mehrfach auf den 47-Jährigen. Das Opfer überlebte die Tat schwer verletzt, musste aber wochenlang im Krankenhaus behandelt werden. Immer noch mit der Leiche der Frau im Auto floh der Täter in Richtung Kassel. Im Rahmen der Fahndung wurde der Tatverdächtige noch am selben Tag gegen 9:50 Uhr mit seinem Fahrzeug auf einer Landstraße im Bereich Guxhagen gestellt. Noch bevor die Beamten des Spezialeinsatzkommandos am Fahrzeug sind und den Tatverdächtigen festnehmen können, richtet der Verdächtige seine Schusswaffe gegen sich selbst und verstirbt noch am Tatort. Ein konkretes Motiv für die Tat konnte bis heute nicht ermittelt werden.
Guxhagen: Brand zur Verdeckung eines Mordes gelegt
Nach einem Wohnungsbrand am 12. November 2010 in Guxhagen (Schwalm-Eder-Kreis) konnte der 83 Jahre alte Hausbewohner nur noch tot geborgen werden. Der Leichnam des Mannes wies massive Kopfverletzungen auf. Im Haus fanden sich außerdem Kampf- und Blutspuren. Im Zuge der Ermittlungen konnte noch am gleichen Tag eine 60-jährige Nichte des Opfers als Tatverdächtige ermittelt werden. Sie hatte sich mit Schnittverletzungen an den Händen zur Behandlung in ein Krankenhaus begeben und wurde dort festgenommen. Gegen sie wurde ein Untersuchungshaftbefehl wegen dringendem Tatverdacht des Mordes erlassen. Als Tatmotiv wurde Habgier ermittelt.
Homberg: 14-Jähriger stach auf zwei Männer ein
Ein 14-Jähriger sitzt seit dem 6. Dezember 2010 wegen dringendem Tatverdacht des zweifachen versuchten Mordes in Untersuchungshaft. In der Polizeilichen Kriminalstatistik der Polizeidirektion Schwalm-Eder ist der Fall allerdings als versuchter Totschlag registriert. Der Mordvorwurf ergab sich erst bei der Vorführung beim Haftrichter. Der 14-Jährige war am Nikolausabend in einem Drogeriemarkt in Homberg/Efze von einer Ladendetektivin nach einem Diebstahl ertappt und festgehalten worden. Da sich der junge Dieb rabiat gegen seine Festnahme wehrte, kamen der Detektivin zwei 39 und 47 Jahre alte Männer zu Hilfe. Gemeinsam konnte der 14-Jährige zunächst überwältigt werden. Ihm gelang es aber noch, ein Messer zu ziehen und auf die beiden Männer einzustechen. Beide wurden schwer verletzt, der Tatverdächtige konnte zunächst entkommen. Während einer der Helfer nach einem Bauchstich nach einigen Tagen das Krankenhaus wieder verlassen konnte, leidet der andere noch immer unter den Folgen der Stichverletzungen, die seinen Arm trafen und offenbar Nervenbahnen verletzten. Etwa 30 Minuten nach der Tat konnte der Verdächtige in seiner Wohngruppe in Homberg vorläufig festgenommen werden. Er stand bereits im Verdacht, eine Woche zuvor einen Raub auf einen Geschäftsinhaber in Homberg begangen zu haben. Auch diese Tat gab der 14-Jährige nach seiner Festnahme gegenüber den vernehmenden Polizeibeamten schließlich zu. Die beiden couragierten Helfer wurden am 10. Februar 2011 mit der Kasseler Polizeimedaille, gestiftet vom Verein Bürger und Polizei in Kassel, ausgezeichnet.
Sexualdelikte: Anstieg um 60 Fälle gegenüber dem Vorjahr
Der Anstieg der registrierten Sexualdelikte in Nordhessen um 60 Fälle im Jahr 2010 entspricht einer Zunahme um 10,1 Prozentpunkte. Die Gesamtzahl von 653 registrierten Taten liegt damit in etwa auf dem Niveau des Jahres 2008 (646), aber erheblich unter den Jahreswerten 2007 (832) und 2006 (737). Deutlich zugenommen hat im vergangenen Jahr die Zahl der angezeigten Vergewaltigungen (von 65 auf 104 Taten) und der sexuellen Nötigung (von 87 auf 114). "Ob diese Veränderungen zu einem Teil unter Umständen auf ein geändertes Anzeigeverhalten durch Aufklärungsmaßnahmen zurückzuführen sind oder aber Ausfluss auch der erhöhten polizeilichen Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Gewaltschutzgesetz stehen, kann nicht zweifelsfrei geklärt werden", führt Kriminaldirektor Oliver Kusan hierzu aus. In der Stadt Kassel stieg die Zahl der angezeigten Sexualdelikte gegenüber dem Vorjahr um 16 Fälle auf jetzt 206 Straftaten. Dies entspricht einer Zunahme um 8,4%. Im Landkreis Kassel gab es, bei deutlich geringeren Fallzahlen, eine Zunahme von 38%. Hier stiegen die angezeigten Delikte mit einem sexuellen Hintergrund um 27 Fälle von 71 im Jahr 2009 auf 98 im vergangenen Jahr.
Rohheitsdelikte und Straftaten gegen die persönliche Freiheit:
Zu dieser Deliktsobergruppe gehören die Raubstraftaten, alle Körperverletzungsdelikte, die Freiheitsberaubung, Nötigung, Bedrohung und die Geiselnahme.
16,9 Prozent weniger Raubüberfälle als 2009
Die Gesamtzahl der im Bereich des PP Nordhessen erfassten Raubstraftaten sank von 490 im Jahr 2009 auf 407 im Jahr 2010. Die Fälle gingen damit um 16,9 % zurück. Bei nahezu allen Einzeldelikten dieser Deliktsobergruppe sanken die Fallzahlen zum Teil deutlich. Insbesondere auch bei den Straftaten, die das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung erheblich beeinträchtigen, beispielsweise bei den Überfällen auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen. 2010 kamen aus diesem Deliktsbereich erfreulicherweise nur 158 Taten zur Anzeige. Hier lag die Zahl im PP Nordhessen in den letzten Jahren immer leicht über 200, im Vorjahr waren es 215. Der Rückgang beträgt damit deutliche 26,5 Prozentpunkte. Lediglich die Zahl der Raubüberfälle auf Tankstellen nahm leicht zu. Waren es in Nordhessen in den vergangenen drei Jahren jeweils neun registrierte Raubüberfälle, so stieg ihre Zahl im vergangenen Jahr auf elf an. Der Rückgang der Raubstraftaten in der Stadt Kassel liegt mit einem Minus von 16,4 Prozent in Höhe des nordhessenweiten Rückgangs. In absoluten Zahlen bedeutet dies eine Abnahme um 49 Delikte von 298 im Jahr 2009 auf 249 im Jahr 2010. Im Landkreis Kassel wurden gegenüber dem Vorjahr 18 Raubtaten weniger angezeigt. Dies entspricht sogar einem prozentualen Rückgang von 26,9 Prozent (von 67 auf 49 Delikte).
Auch Körperverletzungen gingen zurück
Auch die Zahl der in Nordhessen registrierten Körperverletzungen nahm erfreulicherweise gegenüber dem Vorjahr leicht um 3,5 % ab. In 2009 waren es insgesamt noch 4.171 Fälle, die von nordhessischen Polizeidienststellen zu bearbeiten waren. Deren Zahl sank im vergangenen Jahr auf 4.024. In der Stadt Kassel blieb die Zahl der Körperverletzungsdelikte sowohl bei der vorsätzlichen, leichten Körperverletzung und der gefährlichen bzw. schweren Körperverletzung in etwa auf dem Vorjahresniveau. Mit insgesamt 1.584 Straftaten aus diesem Deliktsspektrum wurden 3 Taten weniger als im Vorjahr angezeigt. Der Landkreis Kassel verzeichnete mit 35 Delikten weniger als im Vorjahr einen leichten Rückgang um 5,2 Prozent auf zuletzt 638 angezeigten Körperverletzungen.
Häusliche Gewalt: Insgesamt einige Fälle mehr als im Vorjahr, in Kassel weniger
Im Bereich des Polizeipräsidiums Nordhessen kam es im vergangenen Jahr zu einem leichten Anstieg der erfassten Fälle von häuslicher Gewalt. Waren es im Jahr 2009 noch 1.055 registrierte Fälle, so stieg deren Zahl im vergangenen Jahr auf 1180 an. Dieser Anstieg ist insgesamt auf eine Zunahme in den Flächendirektionen Schwalm-Eder, Waldeck-Frankenberg und Werra-Meißner zurückzuführen, während die Zahl der Fälle im Bereich der Polizeidirektion Kassel leicht rückläufig ist. Wurden im Jahr 2009 in Stadt u. Landkreis Kassel noch insgesamt 599 Fälle häuslicher Gewalt verfolgt, so sank deren Zahl im Jahr 2010 leicht um 11 auf 588. Im Detail betrachtet waren die Zahlen im Bereich der Stadt Kassel deutlich rückläufig. Hier gab es 2009 noch 417 Fälle häuslicher Gewalt. Im Jahr 2010 sank ihre Zahl auf 379. Gegenläufig ist der Trend im Landkreis Kassel: 2009 wurden 182 Fälle häuslicher Gewalt verfolgt, im Jahr 2010 stieg ihre Zahl auf 209. Im Schwalm-Eder-Kreis stieg die Zahl der Fälle häuslicher Gewalt im Verhältnis noch deutlicher von 110 auf 165 im vergangenen Jahr an. Deutliche Zunahmen wurden auch im Landkreis Waldeck-Frankenberg (von 170 auf 202) und im Werra-Meißner-Kreis (von 176 auf 225) registriert. Die Fallzahlen der "Häuslichen Gewalt" sind in der PKS keine eigenständige Größe, weil unter ihrem Dach zahlreiche Einzeldelikte - vom Mord über Sexualdelikte bis hin zur Körperverletzung - gemeinsam gezählt werden.
Straftatenverteilung: vier von zehn Straftaten sind immer noch Diebstähle
Bei der Verteilung der Straftaten auf die Gesamtkriminalität in Nordhessen liegt der Anteil der Diebstahlsdelikte (einfacher und schwerer Diebstahl) erneut bei knapp unter 40 Prozent (39,06%). Über Jahrzehnte dominierte der Diebstahlsbereich noch mit über 60 Prozent aller polizeilich registrierten Straftaten. Seit Jahren beobachten wir hier eine deutliche Verschiebung am Gesamtaufkommen der Straftaten, der mit der nahezu linearen Zunahme bei den Vermögensdelikten korreliert, obwohl diese - auf einem hohen Niveau - im Vergleich zum Vorjahr - in Nordhessen leicht zurück gegangen ist.
Einfacher Diebstahl etwa auf dem Niveau des Vorjahres
Der einfache Diebstahl blieb in Nordhessen in etwa auf dem Niveau des Vorjahres. 2010 wurden 11.643 einfache Diebstähle registriert, in 2009 lag die Gesamtzahl mit 11.609 nur geringfügig darunter. Die Fallzahlen stiegen damit leicht um 0,3 %. In den Jahren 2006 bis 2008 waren dem gegenüber jährlich deutlich mehr als 12.000 einfache Diebstähle zur Anzeige gebracht worden. Mit einer Zunahme um 17 Diebstähle gegenüber 2009 liegt die Steigerungsrate im Stadtgebiet Kassel bei exakt +0,3 Prozent wie in Nordhessen. Die Gesamtzahl summierte sich in 2009 auf 5.564 angezeigte Diebstähle. Im Landkreis Kassel wurden 40 Diebstähle weniger als noch 2009 angezeigt. 1.649 Ermittlungsverfahren wegen einfachen Diebstählen bedeuten prozentual eine Abnahme um 2,4%. Schwerer Diebstahl: Weniger Wohnungseinbrüche
Der schwere Diebstahl hat, verglichen mit dem Vorjahr, in Nordhessen ebenfalls leicht zugenommen. Die Gesamtzahl von 8.036 registrierten Fällen schweren Diebstahls liegt aber immer noch deutlich unter den etwa 9.000 erfassten Fällen dieser Deliktsgruppe für die Jahre 2006 bis 2008. Schaut man beim schweren Diebstahl in die Detailzahlen so stellt man fest, dass die Zahl der Wohnungseinbrüche in Nordhessen erfreulicherweise von 915 im Jahr 2009 auf 829 im vergangenen Jahr zurückgegangen ist. Das bedeutet eine Abnahme um 9,4 %. "Dies ist umso erfreulicher, da gerade der Wohnungseinbruch, neben den Delikten, bei denen Täter unmittelbare physische Gewalt gegenüber ihrem Opfer ausüben, zu den psychisch besonders nachhaltig wirkenden Straftaten zählt" sagt Polizeipräsident Eckhard Sauer. "Allein der Gedanke, ein Fremder hat sich im persönlichen Wohnbereich aufgehalten, Schränke durchwühlt und persönliche Gegenstände angefasst, löst oft jahrelang anhaltende Ängste bei den Betroffenen aus", erläutert der Polizeipräsident.
In der Stadt Kassel sind die Einbrüche in Wohnungen um 2,9 Prozent von 380 im Jahr 2009 auf 369 im Jahr 2010 zurückgegangen. Dies entspricht einer prozentualen Abnahme um 2,9%. Eine leichte Zunahme gegenüber dem Vorjahr gab es bedauerlicherweise im Landkreis Kassel. Hier stieg die Zahl der registrierten Wohnungseinbrüche von 190 auf 196 oder 3,2 Prozent an.
Polizeiliche Beratung hilft: Fast jeder zweite Einbruch scheitert
"Bei den Wohnungseinbrüchen ist aber nach wie vor erfreulich, dass rund 40 % aller Einbrüche schon im Versuchsstadium stecken bleiben, dass heißt die Täter gelangen nicht in den Wohnbereich", macht Sauer auf einen wichtigen Aspekt aufmerksam. Dies ist sicherlich auch zum Teil den verbesserten Sicherungseinrichtungen in Häuser und Wohnungen zu verdanken. Nach wie vor berät die Polizei kostenlos Haus- und Wohnungsbesitzer, aber auch Mieter von Wohnungen, wie man die eigenen vier Wände gegen ungebetene Besucher sicherer machen kann. Informationen erhalten interessierte Bürger bei jeder Polizeidienststelle. In Kassel stehen hierzu auch die Mitarbeiter des Polizeiladens in der Wolfsschlucht zur Verfügung. "Ich kann nur raten, unsere Angebote zu nutzen. Einbrecher wollen schnell ans Ziel gelangen. Wenn sie auf sichere Türen und Fenster stoßen, geben sie zumeist die Tat schnell auf", wirbt Sauer für das Beratungsangebot der Polizei.
Deutlich mehr Autodiebstähle als im Jahr zuvor
Zugenommen haben im Bereich des PP Nordhessen bedauerlicherweise auch die Diebstähle von PKW. Ihre Zahl bewegt sich mit 214 wieder auf dem Niveau von 2008 (211), ist aber gegenüber dem Vorjahr, in dem 184 Taten dieser Art registriert wurden, wieder deutlich nach oben gegangen. In den Jahren 2007 und 2006 hatten wir in Nordhessen mit 274 PKW Diebstählen bzw. 323 Taten allerdings noch erheblich mehr dieser Fälle zu bearbeiten.
In den Grenzen der Stadt Kassel stieg die Anzahl gestohlener Fahrzeuge im vergangenen Jahr auf 106 an. Im Jahr 2009 wurden 88 Pkw-Diebstähle angezeigt (+20,5%). Im Landkreis Kassel lag die Steigerung, bei insgesamt geringeren Gesamtzahlen, sogar bei 25,0 Prozent. Hier wurden im Vorjahr 45 Pkw entwendet, 2009 waren es noch 36. Zum Anstieg haben, insbesondere im Raum Kassel, wesentlich auch Serien beigetragen, die nach den bisherigen Ermittlungen von organisierten Banden aus Osteuropa begangen wurden.
Bei Dieben beliebte Fahrzeuge: Serie von VW-Bus-Diebstählen
Die Liste der beliebtesten Diebstahlsobjekte führte im Jahr 2010 eindeutig der VW Bus, Modellreihe T 4 und T 5, an. Als Beispiel sei hier nur auf eine Serie mit mehr als zwanzig Diebstählen von VW-Bussen dieser Typen im Bereich der Polizeidirektion Kassel, zuständig für die Stadt und den Landkreis Kassel, hingewiesen. In Hessen kam es zu insgesamt 50 vollendeten und 15 versuchten Diebstählen des genannten Fahrzeugtyps. Der Schwerpunkt dieser Diebstahlsserie lag mit 34 Fällen, davon 12 Versuchen, allerdings deutlich im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Nordhessen. Zwei Drittel der Tatorte verteilten sich über das gesamte Kasseler Stadtgebiet und ließen somit keine besonderen örtlichen Schwerpunkte erkennen. "Wir versuchen durch operative Maßnahmen und Kontrollen der entsprechenden Fahrzeuge mögliche Täter auf frischer Tat anzutreffen", erläutert Direktionsleiter Uwe Papenfuß.
Sorgenkind Boden- und Kelleraufbrüche
Erheblich angestiegen sind gegenüber dem Vorjahr die Einbruchsdiebstähle in Boden- und Kellerräumen. Sie nahmen von 438 im Jahr 2009 auf 754 im Jahr 2010 zu. Das entspricht einem Anstieg um 72,1 %. Insbesondere waren Mehrfamilienhäuser mit zahlreichen Wohneinheiten betroffen, so dass es an einem Tatort in der Regel zu mehreren Einbrüchen in Kellerverschläge kam. "Fehlende oder vielfach unzureichende Sicherungen der Kellerräume machten es den Langfingern in zahlreichen Fällen leider recht einfach" bedauert Kriminaldirektor Gerald Hoffmann. Hinzu kommt, dass gerade in großen Wohnanlagen die Kellerräume lediglich aus Lattenverschlägen bestehen und eingelagerte Wertgegenstände wie elektronische Geräte oder ähnliches leicht erkennbar ist und unter den gegebenen Umständen eine leichte Beute darstellt.
Im Stadtgebiet Kassel fiel die Steigerungsrate besonders gravierend aus. Hier wurden insgesamt 642 entsprechender Einbrüche (Vorjahr 349) registriert. Dies entspricht einer Zunahme um 84%. Im Landkreis Kassel liegt die prozentuale Zunahme mit 78,9 Prozent auf einem vergleichbaren Level bei allerdings deutlich geringeren Gesamtzahlen. 68 Einbrüche waren es 2010, im Jahr zuvor lediglich 38 entsprechende Taten.
Weniger Motorräder geklaut, aber hochwertige Fahrräder bei Langfingern beliebt
Deutlich zurückgegangen ist hingegen in Nordhessen die Zahl der Diebstähle von motorisierten Zweirädern wie Motorrädern, Motorrollern und Mofas, die um 26,3 % gegenüber dem Jahr 2009 abnahmen. Zugenommen haben bedauerlicher Weise die Diebstähle von Fahrrädern. Dies ist vor allem sicherlich dem Umstand geschuldet, dass sich immer mehr Menschen hochwertige Fahrräder leisten, sie aber bedauerlicherweise in vielen Fällen nicht ausreichend genug gegen Diebstahl sichern. "Wer bereit ist, mehrere Tausend Euro für ein hochwertiges Fahrrad auszugeben, sollte auch auf der anderen Seite nicht davor zurückschrecken, einen angemessenen Betrag für ein qualitativ hochwertiges Schloss auszugeben", rät Polizeichef Eckhard Sauer. Im Stadtgebiet Kassel boten sich offenbar viele Tatgelegenheiten. Hier stieg die Zahl der Fahrraddiebstähle in 2010 um 48,5 Prozent von 421 auf 625 an. Im Landkreis Kassel nahm der Fahrradklau entgegen dem Trend hingegen ab. 81 Fahrräder wurden hier 2010 Beute von Langfingern, im Jahr zuvor waren es noch 98 (-17,3%).
Vermögens- und Fälschungsdelikte:

