STUTTGART (vb-k) - Vorbild, Verantwortung und Engagement |
| Posted by Jürgen (jbäuml) on Jul 03 2011 at 15:11 |
STUTTGART (vb-k) - Vorbild, Verantwortung und Engagement
Neugegründete Studienstiftung will Rahmen schaffen für breite akademische Bildung
Uni-Rektor Ressel betont Bedeutung sozialer Kompetenzen im Rahmen von Bachelor- und Master-Studiengängen
Dass Studenten heutzutage nur noch ihr Studium im Auge haben, unter Leistungsdruck stöhnen, sich nicht mehr über das Studium hinaus engagieren und sich auch sonst vor allem mit sich selbst beschäftigen mag von vielen beklagt werden und oftmals auch der Realität entsprechen. Die Stipendiaten der neu gegründeten Studienstiftung Hütte Stuttgart, die am Freitag mit einem Festakt offiziell aus der Taufe gehoben wurde, gehören jedenfalls nicht zu dieser Art Studenten. Und die Initiatoren der Stiftung, 54 Mitglieder des Akademischen Vereins Hütte Stuttgart, sind zuversichtlich, dass sie mit ihrem Engagement dazu beitragen können, dass es zukünftig wieder mehr angehende Akademiker gibt, die neben ihrem Studienalltag Zeit und Begeisterung dafür aufbringen, Verantwortung und Vorbildfunktion in der Gesellschaft zu üben und zu übernehmen.
Prof. Dr.-Ing. Wolfram Ressel, Rektor der Universität Stuttgart wies in seinem Grußwort darauf hin, dass für die Universität im Kontext der Bachelor- und Master-Studiengänge die Entwicklung sozialer und gesellschaftlicher Kompetenzen der Studenten einen besonderen Stellenwert einnimmt. Neben eigenen Aktivitäten, die die Universität ganz aktuell begonnen hat, kommen, so Ressel, Inititativen wie der Studienstiftung Hütte besondere Bedeutung zu. Er begrüßte deshalb den über die rein finanzielle Dimension hinausgehenden Ansatz der Stiftung als ideale Ergänzung universitärer Aktivitäten.
Dipl.-Ing. K. Werner Blickle, Vorsitzender des Kuratoriums der neuen Stiftung zitierte in seiner Begrüßungsansprache in diesem Sinne Friedrich Nietzsche: „Die Bildung wird täglich geringer, weil die Hast größer wird."
Und Dipl.-Ing. Konrad Fröhlich, 1. Vorsitzender der Stiftung, wies darauf hin, dass neben den finanziellen Freiheiten, die die Stiftung ihren Stipendiaten bietet, vor allem der Kontakt und die konstruktive Auseinandersetzung mit ehemaligen Studenten im organisatorischen Rahmen einer Studentenverbindung die Möglichkeiten dafür schafft, Neues auszuprobieren und Verantwortung zu üben. Auch in der Diskussion um Eliten bezieht die Stiftung eine klare Position: ihre Stipendiaten sollen sich als Elite fühlen - aber nur, insofern sie Ansprüche nicht an andere, sondern an sich selbst stellen zu Gunsten einer Gemeinschaft und der Gesellschaft.
Hinter der Initiative zur Gründung der Stiftung steht die Frage, wie es gelingen kann, eine mehr als 141 Jahre alte Studentenverbindung der ungewöhnlichen Art - die nämlich ganz bewusst seit je her auf das Tragen von „Farben" und säbelrasselnde Auseinandersetzungen verzichtet, dafür aber seit mehr als vierzig Jahren weibliche Mitglieder aufnimmt - für die Zukunft fit zu machen. Mehr noch als die konservativen Burschenschaften und schlagenden Verbindungen, leidet der liberale Akademische Verein Hütte Stuttgart wie viele andere „schwarze" Verbindungen unter Mitgliederschwund, weil sich immer weniger Studentinnen und Studenten für die lebenslange Mitgliedschaft in einer Verbindung entscheiden und damit die Idee des umgekehrten Generationenvertrages an ihre Grenzen stößt.
Als Antwort auf die provokante Vorhersage eines Mitglieds, dass es die Verbindung in fünf bis zehn Jahren nicht mehr gebe, wurde beim Akademischen Vereint Hütte Stuttgart die Stiftungsidee geboren - bisher einzigartig in Stuttgart und eine der ersten derartigen Stiftungen in Deutschland überhaupt.
Neben Mitgliedern des Akademischen Vereins Hütte Stuttgart unterstützt auch die Robert BOSCH GmbH die Stiftung und ihre Ziele. Immerhin war ihr Gründer Robert Bosch Ende des 19. Jahrhunderts bereits Mitglied des Akademischen Vereins Hütte und hat diesen mit seiner Idee der Hilfe zur Selbsthilfe nachhaltig geprägt.
Für Michael Klenk, Vertreter der Stipendiaten, ragt die neugegründete Stiftung aus der Masse anderer Stiftungen heraus, weil sie nicht „individuelle Großartigkeit und Turbo-Egoismus" fördert, sondern gemeinschaftlich erbrachte Leistung im Kollektiv.
Zu den ersten Projekten, die von der Stiftung konkret gefördert werden, zählt der 3. Stuttgarter Science Slam am 28. Juli, bei dem angehende Wissenschaftler die Ergebnisse ihrer Arbeit auf unterhaltsame Art einem großen Publikum vorstellen. Eine Form der wissenschaftlichen Beschäftigung, die mittlerweile in ganz Europa begeisterte Anhänger gefunden hat. Und gemeinsam mit der Stabsstelle „Förderung Bürgerschaftliches Engagement" der Stadt Stuttgart untersucht die Stiftung Möglichkeiten der Übernahme eines ehrenamtlichen Projektes durch die Stipendiaten mit Unterstützung der Stiftung.
Über den Akademischen Verein Hütte Stuttgart
Der Akademische Verein Hütte Stuttgart wurde 1870 auf Initiative des ersten Rektors der heutigen Universität, Carl v. Bach, als „Verein Hütte an der Kgl. Polytechnischen Schule zu Stuttgart" gegründet. Er ist heute eine sogenannte „schwarze", d.h. liberale, nicht schlagende und nicht farbentragende Studentenverbindung, die sich seit vielen Jahren ausdrücklich zur Offenheit für weibliche und auch ausländische Mitglieder bekennt. Damit differenziert sie sich deutlich gegenüber dem elitär ausgrenzenden Selbstverständnis von Studentenverbindungen klassischer Prägung. Nach dem Prinzip des „umgekehrten Generationenvertrages" fördern und unterstützen die ehemaligen studentischen Mitglieder des Vereins junge Studentinnen und Studenten an Stuttgarter Hochschulen. Unter anderem bietet der AV Hütte Stuttgart subventionierte Wohnmöglichkeiten in 10 Studentenzimmern in seinem Vereinshaus in der Eduard-Pfeiffer-Straße.
www.huette-stuttgart.de
Über die Studienstiftung Hütte Stuttgart
Die Studienstiftung Hütte Stuttgart, eine rechtsfähige Stiftung unter der Aufsicht des Regierungspräsidiums Stuttgart, wurde im Jahre 2010 von Mitgliedern des Akademischen Vereins Hütte Stuttgart initiiert. Mit dem Erreichen des selbst gesetzten Mindest-Stiftungskapitals von 100.000,- EUR wurde die Stiftung am 1. Februar 2011 errichtet und formal aktiv. Die Stiftung ist offen und bemüht sich um weitere Stifter und Zustiftungen aus Industrie und Wirtschaft sowie aus den eigenen Reihen.
Ziel der Stiftung ist es, aktiv dazu beizutragen, den akademischen Nachwuchs zu fördern, zu befähigen und zu ermutigen, in unserer Gesellschaft Vorbildfunktion und Verantwortung zu übernehmen. Die Stipendiaten der Studienstiftung sollen sich insofern als Elite fühlen, als sie Ansprüche nicht an andere stellen, sondern an sich selbst zu Gunsten einer Gemeinschaft und der Gesellschaft. Die Grundidee der Förderung ist die Hilfe zur Selbsthilfe. Von den Stipendiaten wird Engagement erwartet und der Willen, sich weiter zu entwickeln, Erfahrungen zu sammeln und auch den Mut, selbst etwas auszuprobieren. Die Stiftung unterstützt wissenschaftliche Arbeiten - sei es durch Zuschüsse für Veröffentlichungen oder Übernahme von Sachkosten. In konkreten Bedarfsfällen wird sie auch finanziell zum Lebensunterhalt ihrer Stipendiaten beitragen. Darüber hinaus unterstützt die Stiftung studentische Veranstaltungen, Exkursionen und Seminare, die helfen, Werte wie Fairness, Toleranz, Respekt und Freiheit von Vorurteilen zu vermitteln.

